Angelino Balistreri
Quartu Sant’Elena, 1922 – Macerata, 2015
Ein unaufhörliches Staunen über das Leben zeichnet das gesamte malerische Werk Angelino Balistreris aus.
Die Werke Balistreris, die zwischen 1949 und 1994 entstehen, umspannen seine wichtigsten kreativen Perioden. Es handelt sich um Kompositionen, archaische Landschaften, Frauenabbildungen, asketische Vestalinnen, verschlungene Labyrinthe.
Während seiner langen und fruchtbaren künstlerischen Tätigkeit, durchläuft sein Schaffen unterschiedliche künstlerische Strömungen. Diese verschmelzen mit seiner persönlichen Eigentümlichkeit, der ein archaischer Primitivismus eigen ist. Seine Werke sind reich an Suggestionen und geheimnisvollen Harmonien.
Alvaro Valentino

Vita / Schaffensperioden
Geburt am 21. März 1922 in Quartu Sant’Elena auf Sardinien.
Bereits mit sieben Jahren geniesst er den ersten Malunterricht. Beim sardinischen Maler und Dekorateur Baciccia Scano erlernt er ein paar Jahre später die Al-fresco-Malerei. Mit 14 Jahren stellt er Gemälde in Genua aus, und gewinnt den sogenannten Ansaldo-Preis.
Während des Zweiten Weltkrieges tritt er dem Widerstand bei, und meldet sich dann freiwillig bei der englischen Special Force, wo er Teil des Befreiungskampfes Italiens wird. Hierfür erhält er eine militärische Auszeichnung.
Nach dem Krieg widmet sich Balistreri wieder gänzlich der Malerei.
In Rom lebend, lässt er sich von avantgardistischen Strömungen inspirieren: er experimentiert mit Vorliebe im Bereich der Abstraktion. Zeitweise arbeitet er in den 1950er und 60er Jahren sogar Seite an Seite mit den sehr bekannten italienischen Künstlern Emilio Vedova (1919 – 2006) und dem etwas jüngeren Künstler Parmeggiani Tancredi (1927 – 1964).
Parallel zum amerikanischen, abstrakten Expressionisten Jackson Pollock (1912 – 1956) entwickelt Balistreri ab Ende der 1940er – Anfang der 1960 Jahre diese für ihn charakterische Malweise, in der er gestisch fadenartige Farbspritzer dick auf die Leinwand aufträgt.
Später zieht es ihn nach Paris und in verschiedene Städte in Nord- und Südfrankreich. In diesen Jahren begeistert er sich u.a. für Pablo Picasso und dessen Werk.
In Italien knüpfte Balistreri Kontakte zur Galerie Astrolabio in Rom und hatte dort ein Jahrzehnt lang erfolgreiche Ausstellungen. Seine Arbeiten, geprägt von exotischer und religiöser Symbolik, fanden Anklang. Ein Gemälde erregte die Aufmerksamkeit der Päpstlichen Kommission, und in den 1980ern inspirierte ihn die Künstlerin Ewa Blaszak als Modell.
Frauen sind für ihn eine zentrale Inspirationsquelle: sie sind in seinem künstlerischen Schaffen überdurchschnittlich präsent – es scheint, als könne er nie genug von ihnen bekommen.
In Corridonia etablierte er sich mit einem Ausstellungskonzept, das seine gesamte stilistische Entwicklung zeigte. In den 80er und 90er Jahren beeinflussten ihn die lebendigen Farben seiner jungen Modelle, was zu einem markanten Kolorismus in seinen Gemälden sowie zu neuen skulpturalen Werken führte. Balistreri fand Anklang bei Ausstellungen in Europa, den USA und Japan. Im späteren Lebensverlauf besann er sich wieder auf seine sardischen Wurzeln und seine Familie.
Zu seinem 90. Geburtstag wurde der Künstler mit der Ehrenbürgerschaft von Corridonia ausgezeichnet. Des Weiteren erhielt er den Verdienstorden der Italienischen Republik – die höchste Anerkennung seiner vier Jahrzehnte währenden Karriere in Italien und international. Unterstützt von einem Netzwerk italienischer und internationaler Freunde und Sammler, setzte er seine Arbeit auch im hohen Alter fort.
Hochbetagt stirbt der Künstler am 21. Juni 2015 in Corridonia in den Marken.



















